Volkstrauertag 2019

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In Hohne, Helmerkamp und Spechtshorn kamen die Bürger am Volkstrauertag an den Ehrenmälern zusammen und erinnerten an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

Bericht und Bilder von Rainer Brammer

Ehrenmal des 1. Weltkrieges an der Himmelfahrtskirche

Nach dem Gottesdienst legten Pastor Weihmann und Bürgermeisterin Christa Harms für die Kirchengemeinde Hohne am Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges ein Gedenkgesteck nieder.

Die Anwesenden machten sich anschließend auf den Weg zum Hohner Ehrenmal für die Gefallenen des 2.
Weltkriegs.

Ehrenmal für die Gefallenen des 2. Weltkriegs

Ansprache Bürgermeisterin Christa Harms


Bürgermeisterin Christa Harms appelliert in ihrer Ansprache zur Wachsamkeit gegenüber aufkommenden Populismus in der Gesellschaft, der den Frieden gefährdet.

"Manche fragen sich, ob wir am Volkstrauertag die Erinnerung an zwei Weltkriege noch aufrechterhalten sollen. Es sind immerhin achtzig Jahre vergangen, als der 2. Weltkrieg ausgebrochen ist. Das ist drei Generationen her und viele Angehörige leben nicht mehr. Leider gibt es auch heute noch auf der Welt heftige, blutige Auseinandersetzungen. Seit 1945 gibt es weitere Millionen Tote in der Welt zu verzeichnen. Allein 2018 wurden weltweit 218 gewaltsam ausgetragene Konflikte gezählt, die mit unendlich menschlichen Leid, Flucht und Vertreibung einhergehen. Kriege sind keine Naturkatastrophen, die unvorhergesehen über uns hineinbrechen, sondern von Menschen gemacht werden die ideologisch feindselig orientiert und machtversessen sind. Durch Feinbilder und autoritäre Denkmuster und Propaganda werden die Menschen systematisch vorbereitet, manipuliert und aufgehetzt.
Das Gedenken heute gilt besonders dem Beginn des 2. Weltkrieges. Am 1. September 1939 war es soweit. Deutschland überfiel aufgrund fadenscheiniger Lügen und Intrigen Polen. Das anschließende Leid war für das polnische Volk unvorstellbar. Leider neben wir war, dass die Rassenideologie des Dritten Reiches eine Wiederbelebung findet. Die kürzlich geschehene Bluttat in Halle, die eindeutig rassenfeindlicher Gesinnung war, zeigt auf reale Weise, wie Mitmenschen sich mitreißen lassen und den Weg der Vergessenheit betreten haben. Gerade heute, wo rechte Kräfte wie die AfD die dunklen Seiten der deutschen Geschichte nur allzu gerne relativieren wollen, ist es wichtig sich zu erinnern an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen. Nur wer sich erinnert kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten. Deshalb verdient es, jede Geschichte von menschenunwürdigen Behandlungen erzählt zu werden. Und jedes Opfer verdient es, dass man sich seiner erinnert. Sie alle haben für ihre Zukunft und unsere Gegenwart gekämpft und ihr Leben gelassen. Der Weg des Friedens ist steinig und voller Rückschläge. Frieden ist nicht Selbstverständlich und instabil. Gemeinsam müssen wir alles tun, damit er erhalten bleibt. Dazu gehört auch, bei verbalen Anfängen von linker und rechter Seite mit klarer Sprache dagegen zu halten. In der heutigen Zeit mit dem Umbruch der parteipolitischen Mehrheiten, den Unsicherheiten bei den Entscheidungsfindungen, den weichen Kompromissen wächst der Wunsch nach klaren Positionen. Die Sorge ist berechtigt, dass die Gruppen mit klaren Aussagen bei Wahlen die Mehrheiten bekommen und die über siebzig Jahre währenden Friedensbemühungen gefährden. Nein, Frieden ist keine Selbstständigkeit. Wir Gedenken heute auch der 110 Bundeswehrsoldaten, die seit 1992 ihr Leben in Ausübung ihres Dienstes im Sinne des Friedens im Ausland verloren. Und ebenso an die Toten, die vor dem Mauerfall vor dreißig Jahren an der innerdeutschen Grenze ihr Leben verloren haben. Sie alle sind in unserem Gedenken eingeschlossen. Ihren Familien gelten unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme. Es ist unsere Pflicht, die Einsicht alles Erdenkliche für den Frieden tun zu müssen, an jene weiterzugeben, auf die es morgen ankommt. Auch deshalb sind wir hier heute am Volkstrauertag."

 

 

Pastor Weihmann verliest das Totengedenken.

Wir denken heute
an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben.
Der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder
danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer
die verfolgt und getötet wurden und werden.
Weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden.
Teil einer Minderheit waren oder deren Leben
wegen einer Krankheit oder Behinderung
als weniger lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer
die ums Leben kamen, weil der Widerstand des Gewissens
gegen Gewaltherrschaft sie trieb
und Gedenken derer, die den Tod fanden, weil sie an
ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage.
Um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer
die bei uns und mitten unter uns durch Hass und Gewalt gegen
Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern
um die Toten mit allen die Leid tragen.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den
Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

 

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