„Einfach so Müll in die Wege gefahren“

|   Gemeinde

Asbestreste in geschenktem Bauschutt gefunden / Gutachten erklärte Gemisch für unbedenklich

Das hatte sich die Hohner Gemeinde auch anders vorgestellt. Dabei klang alles auf den ersten Blick sehr gut: Marode Landwirtschaftswege mit geschenktem Bauschutt aufschütten und so Zehntausende Euro sparen. Doch jetzt wurde Asbest in den frisch sanierten Wegen gefunden. Der Gemeinde droht ein Verfahren.

„Wir sind kreuzunglücklich. Die ganze Sache ist einfach richtig dumm gelaufen“, sagt die Hohner Bürgermeisterin Christa Harms. Nachdem eine Hohner Biogasanlage an eine andere Firma verkauft wurde, boten die neuen Besitzer der Gemeinde den Bauschutt an. „Oberflächlich sah das wie ein ganz normales Mineralgemisch aus, was wir echt gut gebrauchen konnten“, so Harms. Denn viele Landwirtschaftswege waren in die Jahre gekommen, hatten zahlreiche Schlaglöcher. Mit dem Bauschutt sollten sie nun kostengünstig saniert werden.

Die Katze im Sack wollte die Gemeinde jedoch nicht bekommen – auch nicht geschenkt. Also forderten sie vorab ein Gutachten zum Mineralgemisch, das der Eigentümer in Auftrag gab. „Natürlich wollten wir uns absichern“, so Harms. Als das Material für unbedenklich erklärt wurde, konnten die Arbeiten losgehen. An die 20 Gespanne fuhren das Gemisch auf die Wege, wo die Landwirte dabei halfen, es zu verteilen. „Alle haben geholfen und waren glücklich. Wir haben Zigtausende eingespart. Und dann kommt so ein Knaller, mit dem niemand vorher rechnet“, sagt Harms.

Den Stein ins Rollen brachte ein Hohner, der in der CZ seinen Namen nicht lesen möchte. „Ich bin sehr naturverbunden und fotografiere viel im Landkreis“, sagt der Mann. Auf einem seiner Streifzüge sah er sich den Boden der Feldwege einmal genauer an. „Das Mineralgemisch sah nicht so aus, wie es eigentlich sein sollte.“ Kunststoff- und Eisenreste schauten aus dem Boden hervor. Dann stieß der Anwohner auch noch auf Asbestteile. „In der Ratssitzung habe ich gefragt, was das soll, einfach so Müll in die Wege zu fahren.“ Jedoch keine Reaktion, man verließ sich auf das Gutachten. Was erst viel später auffiel. „Das Gemisch wurde gar nicht auf Asbest untersucht“, sagt die Bürgermeisterin.

Der Anwohner zeigte den Vorfall bei der Polizei, dem Abfallzweckverband sowie beim Umweltministerium an. „Wenn es wirklich zum Fall kommt, wird das eine teure Suppe“, ist der Hohner überzeugt. Von erheblichen Kosten geht auch die Polizei Celle aus. „Die strafrechtlichen Ermittlungen richten sich gegen derzeit unbekannte Verantwortliche“, so Désirée Gehring von der Polizei Celle. Die Celler Abfallbehörde überwache, dass die Schäden an den Wegen behoben würden.

Mittlerweile wurden zwei der Landwirtschaftswege bereits von der Gemeinde gesperrt. Was mit dem Material passiert, ist weiterhin unklar. Das Verfahren läuft noch. „Man kann niemandem die Schuld zuweisen. Es ist einfach richtig dumm gelaufen“, so die Hohner Bürgermeisterin Harms:

(Bericht Cellesche Zeitung 24.0.2019 von Audrey-Lynn Struck / Bilder von David Borghoff)

Zurück