Sicherheit ist ihr Auftrag

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Lotsen helfen Kindern beim Überqueren der Straße / Neue Schilder in Hohne eingeweiht.

Keine Dunkelheit, keine Kälte, kein Sturm, noch nicht mal ein Schnupfen kann Nadine Hase aufhalten. „Ich habe hier auch schon in Schneehose gestanden“, erzählt die 37-jährige „Ur-Hohnerin“, während sie in gut sichtbarer reflektierender Kleidung die Kelle ausstreckt und so den Verkehr vor dem Zebrastreifen an der Dorfstraße zum Anhalten zwingt. Seit sieben Jahren gehört sie fest zum Team der Elternlotsen an der Hohner Wiehetal-Grundschule.

„Ich selbst wurde von meinem Opa zur Schule gebracht“, erinnert sich die Mutter. „Aber damals gab es auch weniger Verkehr.“ Genau das ist der Grund, weshalb Nadine Hase und ihre acht Mitstreiter während der dunklen Jahreszeit jeden Morgen im Einsatz sind. Die Sicherheit der Kinder – nicht nur ihrer eigenen – liegt ihnen am Herzen.

Neben der Hehlentorschule in Celle ist die Hohner Grundschule die einzige im Landkreis, an der Elternlotsen Kindern beim Überqueren der Straße helfen. „Es handelt sich hier um eine viel befahrene Durchgangsstrecke“, erläutert Schulleiterin Anke Severloh die Situation an der Dorfstraße – gerade morgens sind hier viele Berufstätige in Richtung Gifhorn oder Wolfsburg beziehungsweise Celle unterwegs. Außerdem ist durch eine Mauer der Bereich Dorfstraße/Schulweg schwer einzusehen. Das sind Gründe, die den Ausschlag für die Beauftragung von Lotsen gegeben haben.

„Fahrer verhalten sich rücksichtslos, obwohl Kinder über den Weg wollen.“

Seit nunmehr zwölf Jahren gibt es die ehrenamtlich tätigen Helfer an der Wiehetal-Grundschule. Während Nadine Hase schon lange dabei ist, gehört Jacqueline Lillie-Windhausen erst ganz neu dazu. „Es gab vermehrt kritische Situationen“, erzählt die Mutter einer Erstklässlerin. „Sicherheit geht vor“, sagt die 33-Jährige – und hat sich deshalb zur Elternlotsin ausbilden lassen.

Für die Ausbildung ist die Polizei zuständig. Verkehrssicherheitsberater Karsten Wiechmann ist froh, dass es wenigstens an zwei Grundschulen im Landkreis Elternlotsen gibt. Seine Erfahrung: „Viele Fahrer verhalten sich rücksichtslos, obwohl Kinder über den Weg wollen“, sagt er. „Wir hoffen, dass die Kinder durch ihren Einsatz heil durch den Winter kommen.“

Es ist wie mit der Faustregel für Winterreifen. Von O bis O (Oktober bis Ostern) kommen die Verkehrshelfer zum Einsatz. Ihre Dienstzeiten beschränken sich auf gerade einmal 25 Minuten – von 7.45 Uhr bis 8.10 Uhr. Und die Theorieausbildung für neue Lotsen dauert nicht länger als zwei Stunden; die restliche Schulung ist Praxis und wird zusammen mit erfahrenen Lotsen durchgeführt. Trotzdem ist es nicht leicht, neue Helfer zu gewinnen.

„Lotsen dürfen den Verkehr nur anhalten, nicht regeln“, erklärt Wiechmann den Unterschied zur Arbeit der Polizei. Deshalb werden die Lotsen lediglich an Zebrastreifen und Ampeln eingesetzt. „Die Kinder dürfen erst über die Straße gehen, wenn die Autofahrer angehalten haben. Wer Verstöße an Überwegen begeht, kann seinen Führerschein verlieren“, sagt der Sicherheitsberater und appelliert an das umsichtige Verhalten der Autofahrer.

Auf den Einsatz der Verkehrslotsen in Hohne weisen nun außerdem zwei Schilder hin, die vor Beginn ihrer Arbeit auf- und anschließend wieder zugeklappt werden. In Begleitung des Kreis-Straßenverkehrsamtes und der Straßenmeisterei wurden die neuen Schilder, die ebenso wie die Kleidung und Kellen der Verkehrshelfer reflektieren, am Mittwoch an der Dorfstraße eingeweiht.

(Bericht: Cellesche Zeitung vo 2.11.2019 - Carsten Richter)

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